Ist Schmutziger Donnerstag? Ein trauriges Bild in Mels

Das Herz aller Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern schmerzt heute besonders. Ein schmutziger Donnerstag ohne Guggenmusik, Konfetti und Kaffi Lutz. Stattdessen einfach nur Stille. Ein Augenschein aus der Fasnachtshochburg Mels.

Es ist kurz nach 6 Uhr auf dem Melser Dorfplatz, minus zwei Grad, Schneefall und...

...gähnende Leere.

Das in Mels – notabene am Schmutzigen Donnerstag. Mels, der Ort im FM1-Land, an dem heute, am Schmudo, eigentlich hunderte Menschen mit Schminke im Gesicht einander in den Armen liegen, lachen, johlen und vielleicht auch mal über die eigenen Füsse stolpern würden. Die Guggenmusiken ihre Lieder in den Morgen posaunen würden und der Böllenkönig in die Menschenmasse rufen würde: «Schünä guätä Morgä Mels!»

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Quelle: FM1Today

«Schü» wäre es. Um diese Zeit würden gewisse Butzis – oder Huttlis wie sie in Mels liebevoll genannt werden – bereits in alle Richtungen schauen, einen Drink bestellen, obwohl dieser vermutlich der eine zu viel wäre, das Tanzbein schwingen und manchmal würde es in dieser Jahreszeit auch mal passieren, dass ein Küssli auf dem falschen Mund landen würde. Es ist, nein, es wäre Fasnacht.

Aber eben: Es ist alles anders. Auch um sieben Uhr in der Dorfbäckerei. Normalerweise würden die ersten Huttlis Heisshunger kriegen. Obwohl Alkohol nährt. Jeder eingefleischte Fasnächtler weiss: Feste Nahrung ist Pflicht. Die Fasnacht dauert fünf Tage. Fünf Tage feiern, als gäbe es kein morgen.

Heute Morgen haben sich gemäss der Kantonspolizei St.Gallen rund 40 verkleidete Personen auf dem Dorfplatz versammelt. Die Polizeipatroullie hat das Gespräch gesucht und die Leute nach Hause geschickt. Nun ist es offenbar auch ruhig für die Polizisten. Einer holt – so wie es aussieht – gleich für das ganze Team Gipfeli und Berliner. Der Polizist schaut sich den «Huttli» (Die Fasnachtszeitung) an und kauft sich gleich eine. Wahrscheinlich eine gute Lektüre, um sich an die nächsten ruhigen Tagen zu gewöhnen.

Eine (Baustellen-)Abschrankung ist heute das Einzige, was ein bisschen an die «ihhuttlätä» erinnert. Auch sie würde dastehen, aber nicht um eine Baustelle anzukündigen, sondern um auf das autofreie, fasnächtliche Treiben aufmerksam zu machen.

Zurück zur Realität, weg von den Konjunktivs «wäre und würde», zurück zum Ist-Zustand. Zurück mit Gipfeli ins Homeoffice. Ganz ohne Schminke und ohne «leicht» einen Sitzen nach Hause. Eins ist aber sicher: Wir sehen uns nächstes Jahr wieder. Dann aber wieder mit Farbe im Gesicht und einem Zwetschgen Luz in der Hand.

Bis bald «Fasnacht 2022».

veröffentlicht: 11. Februar 2021 14:57
aktualisiert: 11. Februar 2021 18:13