Weshalb Sils ein Problem mit Holzbänkli hat

Engadiner Gemeinden pflegen eine schöne Tradition. Wer will, kann ein personalisiertes Holzbänkli anfertigen lassen, das anschliessend der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Für die Gemeinde Sils sind zu viele Bänkli-Spenden allerdings eine Herausforderung.

Wer an einem sonnigen Tag an einem See spaziert, ist glücklich, wenn er irgendwo ein leeres Bänkli entdeckt. Für die Gemeinde Sils im Engadin sind die Bänkli aber mehr Kraftakt als Entspannung. Und dies, obwohl die Gemeinde die Holzbänkli nicht einmal selbst bezahlen muss.

Alle 40 Meter ein «Bänkli» am See

Das Problem: Um die Spende von Holzbänkli ist ein regelrechter Boom entstanden und in der Gemeinde Sils wurden die Bänkli-Standorte lange Zeit nicht systematisch erfasst. Neue Standorte wurden daher nach Gutdünken der Gemeinde vergeben.

Die positive Folge davon: Der Silsersee wurde zum Sitzbänkli-Paradies. Für die Gemeinde sind es aber fast zu viele Bänkli. «Schätzungsweise hat es in Sils über 260 Bänke. Am See entlang hat es sogar fast alle 40 Meter eine Bank», sagt Rosmarie Lisignoli, Verwaltungsmitarbeiterin in Sils.

Die gespendeten Bänkli bedeuten für die Gemeinde einen grossen Aufwand. Jede Holzbank steht zehn Jahre am selben Ort und muss von den Gemeindearbeitern während dieser Zeit gepflegt werden. «Im Winter werden sie regelmässig vom Schnee befreit und wenn sie kaputt sind, werden sie abgeschliffen oder repariert», sagt Lisignoli.

Es gibt keine neuen Bänke mehr

Um das Silser Bänkli-Problem in den Griff zu bekommen, hat die Gemeinde Massnahmen ergriffen. Zum Beispiel werden alle Bänkli-Standorte digital erfasst. Dazu die Angaben, von wem das Bänkli gesponsert wurde und welche Aufschrift auf der Bank zu sehen ist. 200 Bänke sind in der Datenbank mittlerweile erfasst.

«Ausserdem werden keine zusätzlichen Bank-Standorte mehr akzeptiert», sagt Lisignoli. Wer ein personalisiertes Holzbänkli bestellen möchte, muss sich gedulden, bis ein anderes nicht mehr brauchbar ist und landet auf der Warteliste.

Vor allem Stammgäste wollen ein Bänkli

Was den Run – wie es Lisignoli nennt – auf die Bänkli ausgelöst hat, kann die Gemeinde nicht sagen. Seit zwei Jahren hält er an. Vor allem Feriengäste, die regelmässig in Sils sind, wollen ein Bänkli.

«Die Personen wollen vielfach einen Bezug zur Gemeinde. Beispielsweise ist ihre Mutter immer in Sils in den Ferien gewesen und immer diesen Weg gelaufen. Mit der Bank wollen die Leute ein Andenken an jemanden oder an ein Ereignis schaffen.» Bis zu drei Jahren stehen die Bänklianwärter auf einer Warteliste.

Pro Holzbank zahlt man in Sils 2500 Franken. Im Preis inbegriffen sind 20 eingravierte Buchstaben. Jeder zusätzliche Buchstabe kostet fünf Franken. Am häufigsten eingraviert werden Geburtstage, Todestage und Namen.

Umliegende Gemeinden haben kein Problem

Übrigens: Auch die umliegenden Gemeinden St.Moritz, Samedan und Silvaplana haben ein Sitzbank-Angebot. Dort bereitet es bisher aber keine Probleme. Das Angebot eines personalisierten Bänklis sei zwar beliebt, übermässig viele Bestellungen gibt es aber nicht. Alle Bänkli werden bereits systematisch erfasst. Eine mühselige Arbeit, die Sils nachholen muss.