Keine Strassensperre für Zizers: «Der Verkehr ist eine Katastrophe»

Auf der A13 müssen Autofahrer regelmässig mit Stau rechnen – vor allem an den Sonntagen. (Archivbild)
© KEYSTONE/Arno Balzarini
Die Gemeinde Zizers will die Ausfahrt auf der Hauptstrasse in Richtung Dorf temporär an den Sonntagen sperren lassen. Dies, weil die Strasse quer durch den Ortskern der Verkehrsbelastung durch den Touristenverkehr nicht standhalte. Nun hat die Gemeinde vom Kanton eine Absage erhalten.

Graubünden ist ein beliebter Kanton für Touristen, die ein Wochenende in den Bergen verbringen wollen. Wenn es am Sonntag wieder Richtung Heimat geht, ist der Stau auf der Autobahn nach Zürich programmiert. Um diesem zu entgehen, entscheiden sich viele Autofahrer, den Umweg durch die anliegenden Dörfer zu wählen – sehr zum Unmut der jeweiligen Gemeinden. Vom sogenannten Ausweichverkehr entlang der A13 betroffen sind fast 150'000 Einwohnerinnen und Einwohner in 46 Gemeinden und fünf Regionen.

«An einem Sonntagabend ist der Verkehr eine Katastrophe»

So auch in der Gemeinde Zizers. Die Kantonsstrasse führt quer durch den Dorfkern. Wegen der schmalen Strassenverhältnisse halte diese Ausweichroute der Verkehrsbelastung nicht stand, heisst es von der Gemeinde. Das führe zu Kapazitätseinbussen und Sicherheitsdefiziten. Bei längeren Staus etwa wäre es laut der Gemeinde nicht mehr möglich, dass Blaulichtwagen ungehindert zu ihren Zielorten gelangen könnten.

«Der Verkehr ist eine wahnsinnige Belastung. An einem Sonntagabend ist es eine Katastrophe. Der Verkehr steht fast still. Für die Leute, die an der Kantonsstrasse wohnen, ist es ein fertiger Seich», sagt der Gemeindepräsident von Zizers, Peter Lang, gegenüber FM1Today.

Diesem Missstand wollte die Gemeinde nun entgegenwirken. Der Plan: Die temporäre Sperrung der Kantonsstrasse ab dem Kreisel Rappagugg Nord in Fahrtrichtung Landquart. Diese sollte ab sofort bis zum 29. Mai jeden Sonntag von 12 Uhr bis 20 Uhr sowie am Ostermontag in Kraft treten. Der öffentliche Verkehr, Rettungs- und Blaulichtorganisationen sowie Anwohner sollten von der Sperre ausgeschlossen sein.

Antrag abgelehnt: «Ich bin enttäuscht»

Die Gemeinde Zizers reichte den entsprechenden Antrag Ende Januar beim Tiefbauamt Graubünden ein. Nun liegt dem Gemeindepräsident Peter Jung die Antwort der Kantonspolizei Graubünden vor: abgelehnt. Die Begründung: Der Kreisel liege nicht im Kompetenzbereich des Kantons, sondern im Astra-Perimeter. Ein Dämpfer für den Zizerser Gemeindepräsidenten: «Im ersten Moment bin ich enttäuscht. Aufgrund der Zuständigkeit des Astra kann ich aber verstehen, dass die Kantonspolizei den Antrag abgelehnt hat.»

Eigenmächtig Sperren zu errichten, kommt für Lang nicht in Frage. Eine von der Gemeinde in Auftrag gegebene Rechtsabklärung bestätigt, dass eine solche gesetzeswidrig wäre. «Die Gemeinde Zizers hat aufgrund des übergeordneten Rechts keinerlei Befugnisse, über Verkehrsregelanordnungen oder andere Verkehrsmassnahmen auf Nationalstrasse oder Kantonsstrassenabschnitten zu verfügen, auch wenn diese Strassenabschnitte auf ihren Gemeindegebiet liegen», heisst es in der Erklärung.

Treffen zwischen Gemeinde, Kanton und Bund angesetzt

Doch das Thema ist damit noch nicht erledigt. Ende März soll ein Treffen zwischen der Gemeinde, dem Astra und der Kantonspolizei Graubünden stattfinden. «Ich erwarte, dass man dabei auf die Probleme, die es in unserer Gegend gibt, eingehen wird», sagt Lang. Wichtig für den Gemeindepräsidenten ist, dass die aktuelle Situation überregional angesehen wird und nicht als alleiniges Problem von Zizers. «Als einzelne Gemeinde sind uns die Hände gebunden. Die Problematik würde sich nur verlagern», sagt Lang. Deshalb müsse für alle betroffenen Gemeinden wie beispielsweise Schiers oder auch Maienfeld eine praktikable Lösung gefunden werden.

Auch das Bundesamt für Strassen selbst hat bereits im letzten Oktober angekündigt, aktiv zu werden. «Auf der A13 in dieser Region wird das Astra ein Verkehrsbeeinflussungssystem installieren, welches sich positiv auf den Verkehrsfluss auf der Autobahn auswirken wird», sagt Thomas Rohrbach, Mediensprecher des Astra, gegenüber FM1Today. Diese Anlagen sollten bis etwa 2025 realisiert sein.

Weniger Verkehr bei gleich viel Autos?

Dass das Verkehrsaufkommen im Grunde genommen essenziell für den Kanton Graubünden ist, ist aber auch Peter Jung bewusst: «Graubünden lebt vom Tourismus. Wir brauchen hier die Leute, die unsere Strassen verstopfen. Das ist eigentlich schon verrückt.»

Gleich viel Verkehr und trotzdem eine geringere Verkehrsbelastung: Die Sachlage scheint Paradox. Was also, wenn das Treffen zwischen Gemeinde, Kanton und Astra ergebnislos bleibt? «Dann müssen wir die Situation neu beurteilen. Nichts zu machen, wäre nicht zielführend», sagt Peter Lang. Allerdings ist er überzeugt, dass das Problem nun erkannt wurde. Wie und ob dementsprechende Lösungen für die Gemeinde möglich sind, wird sich am 29. März zeigen.

veröffentlicht: 4. Februar 2022 20:05
aktualisiert: 4. Februar 2022 21:25