Bewahrung des Romanischen ist «moralische Verpflichtung»

Snook ist in Scuol aufgewachsen.
© Tanja N. Maïkoff
Rapper Snook will dazu beitragen, seine Muttersprache möglichst lange zu bewahren. Zum Start der «Emna Rumantscha», der internationalen Rätoromanischen Woche, steuert er ein emotionales Heimatvideo bei.

Er rappt in verschiedenen Sprachen, jongliert mit Worten und baut damit Brücken. Er ist Engadiner Lokalpatriot und gleichzeitig Weltbürger. Er mag den Schnee der Berge, genauso wie die Wellen des Meeres. Das deutsche Magazin Spiegel erklärte ihn zur Integrationsfigur, er hingegen erklärt uns in seinen Liedern Identifizierung. Mit und in seiner Muttersprache, dem Rätoromanischen.

Gemeint ist der Engadiner Rapper Snook.

«Moralische Verpflichtung»

«Als ich ein Kind war, haben in meinem Dorf alle Romanisch gesprochen. Wenn man dann als Erwachsener feststellt, dass die Sprache immer mehr durch Deutsch und Englisch verdrängt wird, dann fühlt man sich moralisch verpflichtet, seine Muttersprache möglichst lange zu bewahren», sagt Rapper Snook.

Als Rapper hat Snook eine besonders direkte Möglichkeit, Werbung für seine Sprache zu machen und Botschafter des Romanischen zu sein. Zu Beginn der «Emna Rumantscha», der internationalen Rätoromanischen Woche, hat er ein neues Video veröffentlicht. Darin gibt es etwas Sprechgesang vom Künstler Snook, vielmehr spricht aber der Mensch Gino Clavuot.

Vergleich mit Klimawandel

Das Rätoromanische sei vom Aussterben bedroht, sagt er im Video. Snook vergleicht den Vorgang mit der Klimaerwärmung: «Wenn wir so weiter machen wie bisher, dann werden wir nicht mehr den gleichen Planeten haben wie heute. Wenn aber jeder einzelne auf seinen eigenen Umgang im Kleinen achtet, dann können wir den totalen Kollaps vielleicht abwenden.»

Gleich verhalte es sich mit dem Romanischen. Wenn man die Sprache pflege, dann könnten auch spätere Generationen noch davon profitieren. «Wie lange dieser Idealismus anhält, ich sage das bewusst so, hängt stark von uns ab und von unserer Jugend», sagt Snook.

Kanadischer Rumantsch-Botschafter

Mit der Emna Rumantscha soll die Rätoromanische Minderheit auch international mehr Beachtung finden. Zu diesem Anlass geht der Engadiner Rapper eine Kooperation mit dem Schweizer Generalkonsulat in Montreal ein – und ist für dieses Jahr Romanischer Repräsentant für Kanada. Aus dieser Zusammenarbeit ist auch das obige Video entstanden.

Auf den ersten Blick eine etwas seltsame Verbindung, zumal Snook mit Kanada nicht wirklich etwas zu schaffen hat.

«Das ist einfach eines von vielen Puzzleteilen, um die Sprache noch möglichst lange zu erhalten. Es geht auch darum, die Diversität der Schweiz im Ausland zu zeigen. Und mit dem Romanischen identifizieren sich ja längst nicht nur die Engadiner», sagt Snook.

Er habe es schon oft erlebt, dass deutschsprachige Schweizer im Ausland stolz von den vier Landessprachen erzählt hätten – und die Romanische dabei immer besonders hervorgehoben wurde.

Dabei ist das nicht sonderlich erstaunlich – denn Romanisch ist nun mal einfach exotisch. Und erstaunlich musikalisch, auch wenn man in der Regel nichts versteht. Beispiel gefällig? Hier der brandneue Snook-Track «Astronaut» (beginnt Schweizerdeutsch).

Snooks Mission zur Erhaltung der Sprache und Kultur geht aber noch weiter: «Ich habe etwa zehn neue Songs, die fast fertig sind – und ich freue mich, sie bald der Welt zu zeigen.»

veröffentlicht: 23. Februar 2022 05:44
aktualisiert: 23. Februar 2022 09:52