Gastrobranche enttäuscht: «Das ist ein Riesen-Hammer»

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Quelle: tvo

Der Bundesrat empfiehlt den Kantonen Lockerungen per 1. März. Die Gastronomie wird in der ersten Etappe der Öffnungen mit keinem Wort erwähnt. Das sorgt bei Gastro St.Gallen für Unverständnis und Irritation.

Die Läden dürfen wieder öffnen, Museen und Zoos sollen wieder Besucher in ihren Aussenbereichen empfangen und bei privaten Treffen im Freien könnten künftig bis zu 15 Personen beieinander sein. Die Schweiz sperrt auf – zumindest ist das die Stossrichtung, die der Bundesrat nun vorgibt und ihre Vorschläge den Kantonen übersendet. Mit einer definitiven Entscheidung wird am Mittwoch, 24. Februar, gerechnet.

Der «Riesen-Hammer» für die Gastro

Die seit Monaten geschlossene und dementsprechend gebeutelte Gastronomiebranche geht dabei einmal mehr leer aus. Ein winziger Silberstreif am Himmel dürfte höchstens das Ansinnen des Bundesrats sein, ab April auch Terrassen und Aussenbereiche von Bars, Restaurants und anderen Verpflegungslokalen wieder der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein schwacher Trost für alle, die auch in der Coronazeit mit Essen und Trinken ihre Brötchen verdienen möchten.

Für Linus Thalmann, St.Galler SVP-Kantonsrat und Vorstandsmitglied des Verbands Gastro St.Gallen, ist das ein «Riesen Hammer». Just am Mittwoch, an dem der Bundesrat die angedachten Lockerungen verkündete, entschied sich der St.Galler Kantonsrat für ein neues Härtefall-Gesetz, welches die Gastronomen für Betriebsausfälle im Jahr 2020 und in den ersten Monaten des Jahres 2021 entschädigen soll. Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück, so Thalmann sinnbildlich: «Jetzt dieser Hammer, dass wir im März noch immer nicht öffnen dürfen. Auf eine positive Nachricht folgt direkt eine negative.»

Entweder Öffnungen oder finanzielle Hilfe

Praktisch jede Sekunde koste die Branche pures Geld, sagt Thalmann: «Wir haben täglich Kosten, die nicht gedeckt sind. Das generiert Defizite, die der Betreiber selber trägt.» Gehe die Pandemie und die damit verbundenen Massnahmen noch länger, hofft Thalmann auf weiteres Geld vom Staat. Seine Stimme klingt allerdings alles andere als zuversichtlich. «Man hat es bis jetzt gesehen. Es ist ein riesiger Kampf, bis man überhaupt etwas bekommt.»

Linus Thalmann, Vorstandsmitglied Gastro St.Gallen

© pd

Dass den Wirten das Wasser bis zum Hals steht, ist klar. Darum ist Thalmann auch vom zeitlichen Fahrplan des Bundesrates überhaupt nicht überzeugt. «Ich wollte nicht, dass am 1. März alles gleichzeitig wieder öffnet. Aber man hätte anfangs März die Läden und dann Mitte März die Restaurants öffnen können.»

Trotz der ausweglosen Situation gibt sich Thalmann diplomatisch: «Der Bundesrat wird seine Strategie haben. Ich hoffe nur, dass er auch eine Strategie hat, wenn es um die Folgen dieser Massnahmen geht.»

Was der St.Galler Regierungspräsident und Mediziner Bruno Damann zu den Lockerungsvorschlägen des Bundesrats sagt, siehst du im Video.

veröffentlicht: 17. Februar 2021 18:25
aktualisiert: 17. Februar 2021 18:57