Cowboy von Wattwil sagt «Byebye»

Ihn kennen die Leute im Toggenburg. Seine Cowboystiefel, langen Haare und sein Hut sind seine Markenzeichen, sein Westernladen an der Rickenstrasse sein Leben. Dieser Shop ist aber bald Geschichte. Peter Hüppi hört Ende Oktober auf.

Die grosse Amerikafahne flattert im Wind. Im Schaufenster stehen Puppen mit Cowboy-Hüten, Stiefel oder alte Autonummern. Neben der Fahne steht in grossen, roten Buchstaben «Offen».

Peter Hüppi hat eine Ranch in Texas

Wer schon einmal über Wattwil auf den Ricken fuhr, kennt den Westernshop. Er ist ein Exot unter den Manors, Aldis und Lidls in Wattwil. Er wirkt, als wäre er ein Requisit aus einem alten Westernfilm und dessen Besitzer, Peter Hüppi, ein eingefleischter Texaner. Es ist deshalb fast surreal, als Peter Hüppi in urchigem Toggenburger Dialekt verkündet: «Ich bin 150 Jahre zu spät auf die Welt gekommen. Ich hätte gerne zu Zeiten der Cowboys in Texas gelebt».

Peter Hüppi zieht seinen Cowboyhut nur zum Schlafen aus. (Bild: Lara Abderhalden)
© Peter Hüppi zieht seinen Cowboyhut nur zum Schlafen aus. (Bild: Lara Abderhalden)

Wir sitzen in einem Hinterzimmer des Westernshops, in das man nur durch zwei Schwingtüren gelangt, die ich so schlecht aufhielt, dass sie mir in den Rücken schlugen. Er besuche Texas ab und zu und habe dort auch eine Ranch und einen guten Freund, aber für ein Leben in Texas ist es Peter Hüppi zu spät. «Ich weiss nicht, was ich in dieser verlassenen Ranch tun soll. Ich weiss ja nicht einmal, wie man Pferde hält.»

Die Wattwiler waren am Anfang skeptisch

Wie ein Westernshop zu führen ist, das hat Peter Hüppi gelernt. Als er den Laden vor 27 Jahre eröffnete, wurde er in Wattwil schräg angeschaut: «Der Wirt des Adlers nebenan meinte nur, so schnell wie der Laden eröffnet wurde, so schnell wird er wieder verschwinden.» Da hat der Wirt sich geirrt. Obwohl es am Anfang schwierig gewesen sei, lief das Geschäft mit der Zeit gut. Kunden aus der ganzen Schweiz reisen mittlerweile nach Wattwil, um bei Peter Hüppi Stiefel oder Schnallen zu kaufen. «Man kennt mich in der ganzen Schweiz. Die kommen mit Töffs und grossen Cadillacs oder Jeeps hierher», sagt der 74-Jährige.

«Meine Frau drängt mich schon seit Jahren»

Seine Gegenstände kauft Peter Hüppi in Amerika oder Deutschland. Am beliebtesten seien die Schnallen, Hüte und Stiefel. Angefangen hat Peter Hüppi mit Gurten. Der ehemalige Abteilungsleiter des Textilunternehmens Heberlein war zum Schiessen in St.Gallen und hat dort einen Typ getroffen, der ihm Schnallen und Gurte zum Verkaufen gab.

Peter Hüppi zeigt eine Auswahl an Schnallen. Von diesen hat er noch besonders viel. (Bild: Lara Abderhalden)
© Peter Hüppi zeigt eine Auswahl an Schnallen. Von diesen hat er noch besonders viel. (Bild: Lara Abderhalden)

«Ich war schon immer ein Cowboy», sagt Peter Hüppi. Deshalb sei es ihm auch nicht schwer gefallen, als Abteilungsleiter aufzuhören und sein eigenes Ding aufziehen. Ende Oktober den Shop für immer abzuschliessen, daran möchte der Wattwiler allerdings noch nicht denken.

Peter Hüppi schaut sich gedankenverloren im Laden um: «Ich wollte den Laden bereits vor zwei Jahren schliessen, aber da habe ich es noch nicht übers Herz gebracht.» Seine Frau dränge ihn schon eine Weile: «Ich bin nicht mehr der Jüngste, da hat sie recht. Deshalb musste ich irgendwann sagen, jetzt ist fertig. Wir wollen gemeinsam die Freizeit geniessen und an viele Country-Anlässe auch ausserhalb der Region gehen.»

«Ich habe sehr viele Schnallen»

Peter Hüppis Finger schieben die Kleiderbügel mit den Hemden hin und her, er richtet einzelne Schnallen und verschiebt ein Paar Stiefel. «Das muss alles raus», sagt er mit einem Hauch Wehmut in der Stimme, «ich habe noch verrückt viele Schnallen!». Deshalb gibt er auf das gesamte Sortiment zwischen August und Oktober bis zu 75 Prozent Rabatt. Den Rest müsse er online loswerden. «Der Westernshop ist mir das wichtigste, aber irgendwann ist Schluss.» Peter Hüppi begleitet mich nach dem Interview nach draussen, durch die Schwingtüren, die ich dieses Mal ohne Klapf in den Rücken meistere.

Bis Ende Oktober müssen alle Artikel im Laden verkauft sein. (Bild: Lara Abderhalden)
© Bis Ende Oktober müssen alle Artikel im Laden verkauft sein. (Bild: Lara Abderhalden)

Die Amerikafahne weht nun gemeinsam mit den Haaren von Peter Hüppi im Wind. Er steht auf dem Geländer bei seinem Eingang und winkt. Ein Anblick, der in Wattwil vermisst werden wird, denn mit Peter Hüppi und seinem Westernshop verschwindet ein Dorforiginal.