Zwei Tote auf Wanderweg vom Äscher zum Seealpsee: «Weg wird oft unterschätzt»

Die beiden verunglückten Wanderer waren auf dem Weg vom Äscher Richtung Seealpsee. (Archivbild)
© Tagblatt/Gian Ehrenzeller
In den vergangenen Monaten stürzten im Alpstein auf dem Wanderweg vom Äscher in Richtung Chobel zwei Personen in den Tod. Gemäss dem Wanderwegverantwortlichen wird der Weg oft unterschätzt. Trotzdem werden keine zusätzlichen Sicherheitsseile montiert.

Eine Wandergruppe ist am Samstagnachmittag vom Äscher in Richtung Seealpsee unterwegs. In der Nähe der Awand stürzt ein 65-jähriger Mann aus Deutschland rund 50 Meter ab und verstirbt. Mitte Juni verunglückte bereits ein 41-jähriger Berner auf demselben Wanderweg rund 200 Meter von der Unglücksstelle vom Wochenende entfernt.

«Gefahr wird nicht erkannt»

«Auf diesem Weg hatten wir in den letzten Jahren viele Tote», sagt Roland Koster, Mediensprecher der Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden. Gefährlicher als andere Stellen im Alpstein sei es hier eigentlich nicht. Dieser Meinung ist auch Sepp Manser, Wanderwegverantwortlicher des Bezirks Schwende: «Der Weg wird von Wanderern aber häufig unterschätzt und die Gefahr nicht erkannt. Der Wald vermittelt eine vermeintliche Sicherheit und verbirgt die steil abfallende Wiese und die Felsen, die sich darunter verbergen.»

Dass sich die Wanderer körperlich überschätzt haben, glaubt Sepp Manser nicht. Es könne gut sein, dass die Wanderer einfach gestolpert seien: «Wenn das auf einem normalen, flachen Weg geschieht, passiert nichts – hier aber geht es einfach steil ‹s'Loch ab›», so Manser, der auch Wirt der Meglisalp ist.

«Sicherungsseile kommen nicht in Frage»

Auf die Gefährlichkeit des Wanderwegs wird beim Äscher speziell hingewiesen: «Wir haben eine Tafel, auf der wir die Wanderer auffordern, den Weg nur mit guten Schuhen zu begehen und wir empfehlen, Kinder anzuseilen», so Manser. Mehr könne nicht getan werden: «Dass es auf demselben Weg zwei tödliche Unfälle gab, ist rabenschwarzes Pech.»

Es habe auf dem Wanderweg bereits einige hundert Meter Sicherungsseile, welche in den letzten Jahren erneuert wurden. Die Seile seien alle bergseitig montiert. Auf talseitige Absturzsicherungen werde auch in Zukunft verzichtet. Dies aus unterschiedlichen Gründen: «Das eine ist der rechtliche Aspekt: Sobald wir ein Seil oder ein Netz aufstellen, sind wir haftbar. Wir müssen garantieren können, dass die Sicherheitsvorkehrungen einen Sturz auf jeden Fall verhindern.» Der andere Aspekt: «Für solche Sicherungsseile sind bauliche Massnahmen notwendig. Die Seile müssen ausserdem jeweils über Winter wieder eingeholt werden, da sie sonst durch den Schnee beschädigt werden.»

Bereits heute würden Bergwirte im Alpstein rund tausend Stunden Fronarbeit leisten, um die Sicherheit auf den bestehenden Wanderwegen zu gewährleisten. «Unfälle wie diese lassen sich leider nicht vermeiden. Ich bin aber überzeugt, dass die Wanderwege im Alpstein so sicher sind, wie sie nur sein können.»

Absicherungen werden über Winter abmontiert

Im Frühling sei beispielsweise der Weg über die Agateplatte und letztes Jahr der Weg vom Schäfler zum Messmer mit neuen Sicherheitsseilen versehen worden.

Während letztes Wochenende noch perfektes Wanderwetter herrschte, ist die Saison jetzt vorbei. Deshalb werden jetzt im ganzen Alpstein die Absicherungen entfernt. «Wer ab dieser Woche in die Berge geht, muss damit rechnen, dass viele Absicherungen bereits entfernt sind und erst im Frühling wieder angebracht werden», sagt Manser.

Polizei untersucht den Fall nicht

Was genau am Wochenende auf dem Weg vom Aescher zum Seealpsee passierte, kann die Polizei nicht sagen. Sie geht nicht von einer Dritteinwirkung oder einem körperlichen Versagen aus, heisst es auf Anfrage. Polizeilich werde nichts unternommen, sagt Roland Koster: «Es ist jeder selbst für sich verantwortlich.»