Alpakas können Schafe vor Wölfen schützen

Alpakas können eine abschreckende Wirkung auf einzelne Wölfe haben.
© TVO/Luana Wüstiner
Alpakas sind zwar süss, auf Wölfe können sie aber eine abschreckende Wirkung haben. Als Herdenschutz-Tiere sind die Exoten trotzdem nicht geeingnet, heisst es bei der Ausbildungsstätte Plantahof in Landquart.

Sind wir ehrlich, kaum einer kann sich dem Charme eines Alpakas entziehen. Ihr freundliches Gesicht ziert mittlerweile alles Mögliche (von der Kaffeetasse bis hin zum Duschvorhang). Die Einwanderer aus Südamerika werden auch bei Schweizer Landwirten immer beliebter – die Haltung von Alpakas boomt.

Alpakas kommen bei Besuchern gut an

Der Export der Tiere ist erst seit ungefähr 25 Jahren möglich. Heute leben rund 4000 Alpakas in der Schweiz. Der Grund, dass Wanderer und Spaziergänger immer häufiger auf die flauschigen Herdentiere treffen, ist vor allem ein touristischer, erklärt Thomas Jäggi vom Schweizer Bauernverband. «Mit Alpakas und Lamas hat sich eine gewisse Nische in der alternativen Tierhaltung entwickelt», sagt er. «Vor allem bei Besuchern auf dem Hof kommen die Tiere sehr gut an.» Besonders beliebt sei das Alpakatrekking. Mit der Haltung der Exoten könnten sich Landwirte ein zweites Standbein aufbauen.

Alpakas können den Wolf verwirren

Aber nicht nur der Agrotourismus, die Wollprodukte und die Zucht seien der Schlüssel zum Erfolg. Alpakas, die immer zusammen mit Artgenossen in Gruppen gehalten werden müssen, haben noch eine weitere Funktion. Sie können eine Schafsherde vor Wölfen schützen – zumindest ein bisschen. «Die Herdenschutz-Funktion der Tiere ist tatsächlich immer wieder Thema bei den Landwirten», bestätigt Thomas Jäggi. «Alpakas sind grösser als der Wolf und schauen auf ihn herab. Das kann ihn vertreiben. Ausserdem ist ihm das Tier am Anfang möglicherweise fremd, auch das kann den Wolf verwirren.»

Schutz nur bei einzelnen Wölfen

Dass Alpakas wie auch Lamas eine abschreckende Wirkung auf Wölfe haben können, weiss auch Andreas Michel von der landwirtschaftlichen Ausbildungsstätte Plantahof in Landquart. «Graubünden ist Wolfsgebiet und wir haben hier Landwirte, die auf eine solche Methode setzen.» Michel kennt einen dieser Landwirte auch persönlich. «Er hatte bisher tatsächlich noch keine Schafrisse. Alpakas und Lamas können Schutz bieten, jedoch nur, wenn es sich um einen einzelnen Wolf handelt.»

Wolf kann sich anpassen

Bei einem ganzen Wolfsrudel sei der Schutz der Schafe durch Alpakas und Lamas praktisch bei null. «Aus diesem Grund werden die Tiere auch nicht für den Herdenschutz propagiert», sagt Andreas Michel. Auch ein einzelner Wolf könne sich rasch an die Alpakas und Lamas gewöhnen und diese dann nicht mehr als Gefahr einstufen. «Der Wolf ist unglaublich schlau und kann sich anpassen», sagt Michel. «Wer seine Schafe schützen will, der sollte nicht auf Alpakas und Lamas, sondern besser auf Herdenschutz-Hunde setzen.»