Nicht alle Lebensmittel gleich wegwerfen

Grundsätzlich sollte sich jeder Konsument am Mindesthaltbarkeitsdatum orientieren – aber auch den gesunden Menschenverstand walten lassen. (Symbolbild)
Grundsätzlich sollte sich jeder Konsument am Mindesthaltbarkeitsdatum orientieren – aber auch den gesunden Menschenverstand walten lassen. (Symbolbild)© iStock
Kann man Lebensmittel noch essen, wenn sie offiziell abgelaufen sind? FM1 hat mit dem Lebensmittelmikrobiologen darüber gesprochen und Interessantes erfahren.

Wer kennt es nicht? Im Laden Lust auf Joghurt gehabt und im Kühlschrank ging es wieder vergessen, weil es hinter die Milch gerutscht ist. Doch könnte man das Joghurt auch noch essen, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum längst überschritten ist?

Martin Loessner, Lebensmittelmikrobiologe an der ETH Zürich (Bild: ETH Zürich)

«Grundsätzlich sind die Haltbarkeitsdaten ein wichtiges Orientierungsmerkmal für den Konsumenten, der nicht immer weiss, wie lange Lebensmittel halten», sagt Martin Loessner, Lebensmittelmikrobiologe an der ETH Zürich, in der FM1-Sendung «Der Samstag mit Beni».

Aber ein Joghurt sei, wie Loessner sagt, auch drei bis vier Wochen, manchmal sogar drei bis vier Monate über das Ablaufdatum hinweg, noch geniessbar. «Ist kein Schimmel zu sehen, kann man es noch essen», sagt Loessner. Das Joghurt verdirbt nicht weiter, weil es vorverarbeitet wurde – im Falle des Joghurts durch die Milchsäure. Gleich verhält es sich mit Sauerteigbrot oder Sauergemüse.

Gesunder Menschenverstand hilft weiter

Es gibt einige Faktoren, welche die Haltbarkeit von Lebensmitteln bestimmen: die Produktionsbedingungen und die Grundstoffe, die enthalten sind. «Wenn der Hersteller ein Ablaufdatum festlegt, hat er sich etwas dabei überlegt. Grundsätzlich sollte man sich an die Daten halten», sagt Loessner.

Aber: Er sagt, jeder habe einen gesunden Menschenverstand. «Wir wissen, dass trockene Waren wie Pasta, Haferflocken oder auch Honig, der wenig Wasser enthält, weit über das angegebene Haltbarkeitsdatum hinaus halten», sagt Loessner. So könne man diese Lebensmittel mit gutem Gewissen noch essen.

Bei Frischwaren wie Fleisch, Aufschnitt, Käse oder fertig zubereiteten Mahlzeiten wie Sushi oder Sandwiches sollte der Konsument genauer aufpassen, dass er das Mindesthaltbarkeitsdatum einhält.

Haltbarkeit ist zentral

Die Lagerung ist für die Haltbarkeit zentral: Werden die Lebensmittel nicht wie vom Hersteller empfohlen gelagert, verkürzt sich die Haltbarkeit. Von Lebensmitteln, deren Verpackungen sich aufblähen, sollten wir die Finger lassen.

«Da könnten sich Mikroorganismen entwickelt haben, die der Gesundheit schaden. Bei einem Joghurt mit gewölbten Deckel kann man ebenfalls von einem Verderb ausgehen. Jedoch wachsen dort Hefen, die Alkohol und Kohlensäuregas produzieren – diese sind für die Gesundheit nicht schädlich. Das Joghurt schmeckt dann sogar ziemlich interessant», sagt Loessner.

Bei verschimmelten Waren sollte nicht lange überlegt werden. «Es kann sein, dass der Schimmel Giftstoffe gebildet hat. Der Schimmel ist nur dann harmlos, wenn wir ihn erwarten – zum Beispiel auf einem Käse oder auf einer Salami», sagt Loessner.

Unsere Sinne geben aber nicht immer eine zuverlässige Orientierung, ob ein Produkt noch geniessbar ist. «Das ist vor allem bei vorgeschnittenem Salat in der Plastikverpackung so. Das ist ein Hochrisikoprodukt, da ich nicht sehe und rieche, ob krankheitserregende Bakterien auf dem Produkt sind», sagt Loessner.

Das kann ebenso bei zubereiteten Fleischwaren wie Wurst oder Frischwurst der Fall sein. «Die Anzahl der Krankheitserreger können so gering sein, dass ich über die Sinne nicht entscheiden kann, ob es verdorben ist», sagt er.

Essen wegwerfen oder nicht? Eine Übersicht erhältst du in unserer Galerie.

(hob/str)