«Es ist eine delikate Situation»

Von René Rödiger
Das geplante Bushäuschen an dieser Stelle sorgt für Diskussionen. Die aktuellen Arbeiten sind aber nur für die Einsteigekante.
Das geplante Bushäuschen an dieser Stelle sorgt für Diskussionen. Die aktuellen Arbeiten sind aber nur für die Einsteigekante.© Toggenburger Tagblatt/Sabine Schmid
Normalerweise freuen sich Anwohnerinnen und Anwohner, wenn ihr Quartier durch den öffentlichen Verkehr erschlossen wird. Nicht so in Ebnat-Kappel.

Zumindest etwas ist klar: Die neue Linienführung des Busbetriebs Lichtensteig-Wattwil-Ebnat-Kappel (BWLE) wird ab dem Fahrplanwechsel per 9. Dezember durch die Rosenbühlstrasse in Ebnat-Kappel gehen. Alles andere ist kompliziert und könnte noch lange für Diskussionen sorgen.

Da ist auf der einen Seite die IG «Nein zur neuen BLWE-Linienführung in Ebnat-Kappel (Ebnater-Schlaufe)». In der IG haben sich Anwohner des künftig durch den öV erschlossenen Quartiers Ackerebni zusammengeschlossen. Sie befürchten, dass Fussgänger und Radfahrer – und insbesondere auch Schulkinder – auf der Rosenbühlstrasse nicht mehr sicher seien, sollte der Bus dort durchfahren.

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«Es gibt kein Sicherheitsproblem»

Auf der anderen Seite sind die Behörden. Gemeindepräsident Christian Spoerlé, er ist auch Präsident der Bau- und Strassenkommission, sagt zur angeblich mangelnden Sicherheit: «Wir haben die Situation mit der Polizei und mit weiteren Experten angeschaut. Es gibt kein Sicherheitsproblem. Beim einzigen heiklen Knoten wird eine Lichtsignalanlage installiert.»

Mit dieser Beruhigung gibt sich die IG nicht zufrieden. Die Linien-Gegner haben Einsprache erhoben. Da die Linienführen jedoch beschlossene Tatsache ist – und dagegen nicht Einsprache erhoben werden kann – richtet sie sich gegen ein Bushäuschen. Gebaut wird dort nun aber trotzdem, schliesslich kommen der 9. Dezember und damit der Fahrplanwechsel immer näher.

Bauhäuschen kommt erst, wenn Einsprache behandelt

«Ja, es ist eine delikate Situation», sagt Spoerlé. Er sieht die Gemeinde jedoch in der Pflicht: «Wir müssen dort leichte bauliche Anpassungen machen, damit die Sicherheit beim Ein- und Ausstieg gewährleistet ist. Das Bushäuschen bauen wir aber erst, wenn die Einsprache behandelt worden ist.»

Nach Ansicht der Gegner ein Unding. «Es wird gebuddelt ohne rechtsgültige Baubewilligung. Ich zweifle an unserem Rechtssystem», schreiben sie auf ihrer Facebook-Seite. «Da scheiden sich die Geister», sagt Spoerlé. «Wir sind der Meinung, dass dies vertretbar ist. Dieser Meinung ist auch das Baudepartement St.Gallen.»

Bizarre Situation

Nächste Woche tagt die Baukommission erneut. Dann werden auch das Bushäuschen und die Einsprache ein Thema sein. Ob sich bis zum Fahrplanwechsel eine Lösung findet, steht jedoch in den Sternen. «Die Gegner können das jetzt durch alle Instanzen ziehen. Bis das erledigt ist, stehen sie halt bei der Haltestelle im Regen», sagt Spoerlé. Für ihn hat die Situation fast schon komische Züge: «In anderen Gemeinden kämpfen die Quartiere darum, endlich an den öffentlichen Verkehr angeschlossen zu werden. Bei uns wehrt man sich.»

Die Gegner der Ebnater-Schlaufe wollten sich auf Anfrage von FM1Today vorläufig nicht äussern.