Eine berührende Messe für Avicii

Avicii bewegt auch nach seinem Tod noch die Massen.
Avicii bewegt auch nach seinem Tod noch die Massen.© Rich Polk/Getty Images for Rolling Stone
Mit einer Messe für den verstorbenen Musiker Avicii hat eine Kirche in Schweden einen Volltreffer gelandet. Dank dem Konzept «Hits statt Kirchenlieder» kommen die Leute wieder in den Gottesdienst.

«God Is A DJ» – wenn der Pfarrer schon vor der Messe Avicii-Hits auflegt, dann bekommt der Faithless-Song eine völlig neue Bedeutung. In der Hedvig-Eleonora-Kirche in Stockholm war es kürzlich so weit. Pfarrer Olle Liljefors hielt eine Andacht zu Ehren des im April verstorbenen Musikers ab, wie die «New York Times» berichtet.

Statt Loblieder sang der Kirchenchor während der Messe Tracks wie «Without You», «Wake Me Up» oder «Hey Brother». Organist Ulf Norberg hat nur lobende Worte für die Kompositionen Aviciis: «Seine Songs haben klassische, komplexe Elemente: Viele lange Noten und Stellen, einige der Rhythmen sind damit kompliziert für den Chor.»

Hier die «Without You»-Version des Kirchenchors und das Original:

Viele Bekannte und Freunde im Publikum

Avicii, mit bürgerlichem Namen Tim Bergling, ist in der Gemeinde der Eleonora-Kirche aufgewachsen. Sein Vater hielt deshalb bei der Messe auch eine kurze Ansprache, die viele Leute zu Tränen rührte. Hier kannten viele Bergling noch persönlich. Die rund 1000 Plätze in der Kirche waren so schnell gefüllt, dass noch eine zweite Messe angesetzt wurde.

Beim letzten Song, einer Bluegrass-Version von «Wake Me Up», haben alle laut mitgesungen, einige hätten sogar getanzt, berichtet die «Times».

Auf der Suche nach der Rolle

Natürlich hat die Kirche diese Messe nicht ganz uneigennützig durchgeführt. Im Jahr 2000 verlor die Schwedische Kirche, eine evangelisch-lutherische Kirche, den Status als offizielle Staatskirche Schwedens und ist seither auf der Suche nach ihrer Rolle im Land. Im zu den säkularsten Ländern gehörenden Schweden besucht nur noch rund 1,1 Prozent der Bevölkerung regelmässig eine Messe.

Die Reaktionen einiger junger Messe-Besucher gibt dem Avicii-Experiment recht: Sie seien «nicht wirklich religiös». Nach diesem Kirchenbesuch seien sie jedoch viel offener, mal wieder einer Messe beizuwohnen.

Konzept hat sich bewährt

Die Schwedische Kirche hat bereits in der Vergangenheit ähnliche Musik-Messen durchgeführt. So gab es Gottesdienste, die mit Musik von Sting, U2 oder sogar Leonard Cohen, notabene ein Jude, unterlegt waren. Und Pfarrer Olle Liljefors plant schon die nächste Musik-Messe: «Diese wird dann eher meinem Stil entsprechen: Metallica!», sagt der 35-Jährige.

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(rr)