Diebe ruinieren Katzen die Weihnachten

Von Stefanie Rohner
Maria Wild und Marcel Jung lassen sich nicht entmutigen, sind aber enttäuscht.
Maria Wild und Marcel Jung lassen sich nicht entmutigen, sind aber enttäuscht.© FM1Today/Stefanie Rohner
Aufregung im kleinen Dorf Dicken im Toggenburg: In der Nacht auf Mittwoch wurde ein Selbstbedienungsladen ausgeraubt. Der Erlös war für ein Tierheim gedacht.

Der Strahl einer Taschenlampe beleuchtet um halb fünf frühmorgens den Weg. Er huscht immer wieder zum Selbstbedienungsladen «Blumen ai-fach». Der Kegel der Taschenlampe taucht auf der Kamera eines Nachbarn immer wieder auf. Dann ist der Strahl weg.

Kein einziger Rappen in der Kasse

«Als ich morgens in den Verkaufswagen kam, habe ich mich zuerst riesig gefreut. Ich habe gesehen, dass viele der Blumen und Geschenkartikel fort waren. Als ich dann aber die Kasse öffnete, kam der Schock», sagt Maria Wild, die den kleinen Laden seit Jahren mit viel Liebe betreut. In der Kasse war kein einziger Rappen, obwohl so viele Artikel fehlten. Und das so kurz vor Weihnachten. Umgehend hat sie Marcel Jung angerufen. Ihm gehört der Laden.

Geld wäre für guten Zweck gewesen

«Als er mir sagte, er habe nichts selbst verkauft, wusste ich, dass wir bestohlen wurden», sagt Wild. Sie sagt, sie lasse sich davon nicht entmutigen, sei aber sehr enttäuscht. «Alles, was wir hier verkaufen, kommt einem guten Zweck zugute. Dass sich da jemand bereichert, finde ich schlimm», sagt Wild. Der Erlös aus dem Laden fliesst vollumfänglich ins Tierheim Büsi-Papageienhof in Dicken. Dieses geht nun leer aus. Und das, obwohl man sowieso jeden Rappen für das Tierheim suchen müsse. Marcel Jung leitet den Gnadenhof und ist Besitzer des Ladens.

Das Tierheim beherbergt Katzen, Papageien, Hunde und Meerschweinchen. Mit dem Geld aus dem Laden wollte Marcel Jung eine grosse Ladung Katzenfutter kaufen. «Jetzt werde ich es aus der eigenen Tasche zahlen müssen. Die Tiere brauchen das Futter ja.»

«Das war geplant»

Rund die Hälfte des Ladens haben der oder die Diebe mitgenommen. Laut Jung wurden Sachen im Wert von 650 Franken geklaut. «Eigentlich haben wir den Laden das ganze Jahr vergebens betrieben», sagt Jung. Dicken ist nicht stark frequentiert, deswegen sind die Einnahmen, über das ganze Jahr gesehen, bescheiden.

Bis Dienstagnacht, habe man nie grosse Probleme mit Diebstählen gehabt. «Die Leute hier sind extrem ehrlich. Es kam schon vor, dass einzelne Sachen wegkamen, aber nie in dieser Grössenordnung. Das war geplant», ist Jung überzeugt. Nicht nur im Laden, sondern auch vor dem Laden haben die Diebe zugeschlagen.

Die verbliebenen Artikel haben Marcel Jung und Maria Wild so hergerichtet, dass der Laden wieder hübsch anzusehen ist. «Ändern können wir es nicht mehr. Aber dass das genau zur Weihnachtszeit passieren muss, verstehen wir nicht.»