Wegen Corona-Lockerungen: «Verkehrssituation könnte sich zuspitzen»

Der Verkehr hat in der Ostschweiz seit den Corona-Lockerungen wieder zugenommen.
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Homeoffice wird zwar immer noch empfohlen, trotzdem pendeln wieder deutlich mehr Leute mit dem Auto zur Arbeit. Der Verkehr hat gemäss den Ostschweizer Polizeien zugenommen und könnte ab nächster Woche wieder zur Normalität zurückkehren.

Seit der Bundesrat die Corona-Massnahmen gelockert hat, bewegt sich der Verkehr langsam wieder Richtung Normalität. Momentan sind wir aber noch weit von der Verkehrssituation vor dem Shutdown entfernt, sagen die Kantonspolizeien St.Gallen und Thurgau. Ab nächster Woche könnte sich die Verkehrslage aber wieder zuspitzen. Dann öffnen zahlreiche Geschäfte, Schulen, Fitnesszentren und Restaurants.

Erste Unfälle und Staus auf St.Galler Stadtautobahn

«Wie viele Autos ab kommendem Montag auf den Strassen unterwegs sind, hängt sehr davon ab, wie viele Leute noch Homeoffice machen», sagt Florian Schneider, Mediensprecher von der Kantonspolizei St.Gallen. Einschätzungen seien derzeit schwierig. «Die St.Galler Stadtautobahn ist aber unser Gradmesser in Sachen Verkehr und da gab es effektiv letztens bereits die ersten Unfälle und Staus.»

Auch diese Grafiken vom kantonalen Tiefbauamt zeigen auf, wie sich die Verkehrssituation in der Stadt St.Gallen vor und während der Coronakrise entwickelt hat.

Mehr Verkehr im Thurgau

Auch im Thurgau hat der Verkehr merklich zugenommen. «Wir haben jetzt das Mittelmass an Verkehr – etwas zwischen üblich und sehr ruhig», sagt Christian Jäggi, Mediensprecher der Thurgauer Kantonspolizei. Für konkrete Zahlen war das Thurgauer Tiefbauamt nicht zu erreichen.

Mit Auto statt Bus und Zug

Die persönliche Einschätzung von Christian Jäggi lässt vermuten, dass ab nächster Woche viele mit dem Auto zur Arbeit fahren werden, die sonst mit Bus und Zug pendeln. «Ich kann mir vorstellen, dass viele noch auf den ÖV verzichten werden, um das Risiko zu vermindern, mit dem Coronavirus angesteckt zu werden.»

Stadt St.Gallen: Vier Mal mehr Schnellfahrer

In der Stadt St.Gallen ist neben der Anzahl Fahrzeuge auch die Anzahl Verkehrsunfälle zurückgegangen. Im April dieses Jahres gab es halb so viele Verkehrsunfälle wie an einem normalen April. Dafür mussten vier Mal mehr Fahrerinnen und Fahrer bei der Staatsanwaltschaft wegen massiver Geschwindigkeitsübertretung angezeigt werden. «Im April 2019 waren es vier Fälle, dieses Jahr 23», sagt Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen. Dies sei wahrscheinlich auf die leeren Strassen zurückzuführen.

Im ganzen Kanton St.Gallen wird trotz Corona-Lockerungen weiterhin ein Augenmerk auf die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmenden gesetzt.

veröffentlicht: 7. Mai 2020 05:53
aktualisiert: 7. Mai 2020 05:53