Corona-Virus erreicht die USA – Trump und Herausforderer geben sich als Krisenmanager

Präsident Trump inszeniert sich als Beschützer der Nation - und küsst die US-Flagge an einer Wahlkampfrallye am Wochenende in Maryland.
© AP Photo/Jose Luis Magana
Das Corona-Virus ist in Amerika angekommen. Prompt versuchen Präsident Donald Trump und seine Herausforderer, sich als Krisenmanager zu inszenieren.

Mike Bloomberg glaubt, dass das Corona-Virus seiner Präsidentschaftskandidatur neues Leben einhauchen könnte. Deshalb liess der schwerreiche Medienunternehmer, dessen Vermögen auch nach dem Börsen-Crash der vorigen Woche auf 55 Milliarden Dollar geschätzt wird, eine drei Minuten dauernde Rede zur Nation ausstrahlen – in der Bloomberg den Versuch unternahm, ein verunsichertes Land zu beruhigen.

Die Ansprache wurde zwar nur von den Fernsehsendern «CBS» und «NBC» gezeigt – in einem Werbeblock zur besten Sendezeit, was sicherlich nicht billig war; aber kurz vor der nächsten Runde in den Vorwahlen der Demokratischen Partei gelang es Bloomberg immerhin, die Aufmerksamkeit auf seine Führungsqualitäten zu lenken.

Als ehemaliger Stadtpräsident von New York, der seine Arbeit wenige Monate nach den traumatischen Terror-Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 aufnahm, habe er Erfahrungen mit Krisen. Und er wisse, dass sich die Amerikanerinnen und Amerikaner in Krisenzeiten nach Politiker sehnten, die «gewappnet, informiert und respektiert» seien.

Bloomberg will der Anti-Trump sein

Natürlich waren diese Worte nicht zufällig gewählt. Bloomberg positioniert sich im Wahlkampf der Demokraten als Anti-Trump: Im Gegensatz zum aktuellen Präsidenten sei er ein fähiger Manager, der sich sein Reichtum ehrlich erarbeitet habe, pflegt er zu sagen. Mit solchen Aussagen gelingt es ihm immer wieder, Donald Trump zu provozieren. Und das ist wohl letztlich das Ziel dieser Strategie – sind Politbeobachter doch der Meinung, dass es die amerikanische Bevölkerung nicht gerne sieht, wenn der Präsident in Krisenzeiten sich von Nichtigkeiten ablenken lässt.

Allein: Trump ignoriert solch ungeschriebene Gesetze seit Amtsantritt. Daran ändert auch das Corona-Virus nichts, wie sich am Wochenende erneut zeigte. Ein Beispiel bloss: Am Samstag lud der Präsident die Hauptstadt-Medien kurzfristig zu einer Pressekonferenz im Weissen Haus ein. Dort informierte Trump über den ersten Corona-Todesfall in Amerika: In einem Vorort von Seattle (Washington) starb am Freitag ein Mann in den Fünfzigern, der Patient in einem Pflegeheim war. Er reiste weder nach Asien noch nach Europa; wie er sich mit der Infektionskrankheit ansteckte, ist deshalb unklar.

Einreisesperre für Menschen aus China zeigt Wirkung

Der Präsident sprach den Hinterbliebenen des Opfers sein Beileid aus, sagte aber auch, dass es für den Rest der Bevölkerung keinen Anlass zur Panik gebe. Und er sagte: In Krisenzeiten sei es wichtig, dass demokratische und republikanische Politiker zusammenstünden, und am gleichen Strick zögen. Dann gab er das Wort an seinen Vize Mike Pence, der im Weissen Haus die Arbeit der involvierten Bundesstellen koordiniert. Und Pence bekräftigte, dass die Gesundheitsbehörden in Amerika die Lage unter Kontrolle hätten – auch weil das Weisse Haus vorausblickend eine Einreisesperre für Menschen aus China verhängt hatte, als der Corona-Virus zu Jahresbeginn für erste Schlagzeilen sorgte.

Die nackten Zahlen geben der Bundesregierung recht: Derzeit haben sich in Amerika, einem Land mit fast 330 Millionen Einwohnern nur gerade 71 Menschen mit dem Virus angesteckt. Allein, an der Westküste scheint das Corona-Virus weit stärker verbreitet zu sein als bisher bekannt. Der Gouverneur von Washington, ein Demokrat, rief deshalb am Wochenende den Notstand aus.

Nach der Pressekonferenz im Weissen Haus reiste der Präsident in einen Vorort von Washington, um dort zu Tausenden von konservativen Aktivisten zu sprechen. Und obwohl er zu Beginn seiner langen Rede ankündigte, er werde mit seinem politischen Gegner pfleglich umgehen, machte sich Trump alsbald über die Körpergrösse Bloombergs lustig und warnte vor dem Ende Amerikas, würde der linke Flügel der Demokratischen Partei in Washington die Macht übernehmen. Und er deutete einmal mehr an, dass seine Opponenten versuchten, die Krise zu politisieren. Am Freitagabend hatte Trump während eines Wahlkampfauftrittes in South Carolina gesagt, das Corona-Virus sei «die neuste Erfindung» der Demokraten, seiner Präsidentschaft zu schaden.

Offen ist, wie die amerikanische Bevölkerung auf solche Provokationen reagieren wird – und ob sie Trump überhaupt noch zuhören. Bisher geht das Leben in Amerika weitgehend seinen gewohnten Gang, Wahl-Events mit Hunderten von Menschen inklusive, auch wenn Hamsterkäufe von Gesichtsmasken und haltbaren Lebensmitteln darauf hindeuten, dass die Amerikaner verunsichert sind. «Es ist sehr wichtig, dass die amerikanische Bevölkerung weiss: Das Risiko, sich zu infizieren, ist gering», sagte Mike Pence am Sonntag im Gespräch mit dem Fernsehsender «NBC», und das sei nicht nur seine Meinung, sondern die Meinung der Fachleute. Sollte sich diese Prognose als falsch herausstellen, dann sähe sich die Regierung Trump mit massiven Problemen konfrontiert.

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Quelle: CH Media Video Unit / AP Video

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