5 Gründe, warum dich Silvester enttäuschen wird

Von Dario Cantieni
Juhuuu. Silvester -.-
Juhuuu. Silvester -.-© iStock
Da ist er: Der letzte Tag des Jahres 2016. Und wie viele Male beendet man schon ein Jahr? Da sollen die letzten paar Stunden gefälligst etwas Besonderes sein. Und genau da liegt das Problem. Machen wir uns nichts vor – Silvester ist doof.

1. Die Erwartung

Wer glaubt noch immer an die Party des Jahrhunderts, ja gar des Jahrtausends am 31.12.? Nur Narren. «Alles ist möglich»,«Die Nacht der Nächte», «Oh Gott, das wird so geil!» Weit gefehlt.

Vorstellung:
Barack Obama ist zufällig an der gleichen Party wie du. Und verteilt Appenzeller-Shots. Dazu tanzt du eng umschlungen mit mindestens der Hälfte der Victoria-Secret’s-Models (oder alternativ den Mannen vom Bauernkalender). Auf der Bühne steht James Blunt, der extra einen Song über dein Jahr 2016 geschrieben hat. Mitternacht: High Five mit Obama und innige Küsse mit schönen Menschen.

FM1Today - So könnte es aussehen

FM1Today – So könnte es aussehen

Realität:
Dein Bauch ist voll Fondue Chinoise, der Türsteher lässt dich ewig vor dem Club warten (auch wenn du ihm sagst, du gehörst zum Secret Service für Obama) und dein Alkoholpegel macht dich eher müde, als superlustig. Deine Freunde scrollen sich durch Instagram, statt mit dir Spass zu haben und die Einzige, die an ein Model erinnert, steht eng umschlungen mit einem vom Bauernkalender im Raucherbereich. Mitternacht: Du verteilst dein erstes Like 2017 auf Facebook und deine Mutter schickt dir Glückwünsche mit 924 Kleeblatt-Emojis.

2. Die Liebsten

Und schon das nächste Problem. Mit wem feiert man eigentlich? Mit den Studienkollegen in Fribourg? Mit den alten Schulfreunden? Mit dem/der Liebsten? Mit 17 breitschultrigen, latent-aggressiven Schlägertypen (nicht zu empfehlen)?

Vorstellung:
Du scharst um Mitternacht deine liebsten Menschen um dich, sagst ihnen, wie wichtig sie dir sind und ihr liegt euch mit feuchten Augen, roten Backen und Konfetti im Haar in den Armen.

Ja, das Foto ist gestellt. Weil so ist es nie. NIE. - iStock

Ja, das Foto ist gestellt – weil so ist es nie/iStock

Realität:
Sch***, es ist 23:59:43 und du bist gerade auf der Toilette. Also sprintest du zurück in den Club auf der Suche nach deinen Freunden. Natürlich sind die nirgends zu finden. Der Einzige, der um Punkt zwölf auch niemandem in den Armen liegt ist der Partyfotograf. Und deine einsame Visage sein erstes Bild 2017.

In Wirklichkeit feierst du mit deinen ausestopften Freunden/iStock

In Wirklichkeit feierst du mit deinen ausestopften Freunden/iStock

3. Die Tischbombe

Früher Inbegriff jeder BOMBastischen Party, ist die Tischbombe heutzutage nicht mehr so geschätzt. Und irgendwie ist das auch verständlich. Nicht wegen dem fortgeschrittenen Alter und dem (vermeintlich) seriöseren Verhalten, sondern wegen dem Inhalt. Oder geht es nur mir so? Früher war alles besser – Tischbombenmässig.

Vorstellung:
Kaum ist die Lunte angezündet, trennen dich nur noch Sekunden vom hemmungslosen Spass, der jeden Moment in die Atmosphäre (oder immerhin an deine Zimmerdecke) schiessen wird. Gleichzeitig mit der Kartonröhre explodiert auch dein Endorphin-Haushalt. Und schon Sekunden später trötest du dir mit Kartonmaske und Partyhut die Lunge aus dem Leib.

Realität:
Also gut, ziemlich ähnlich. Aber irgendwie dünkt es mich, die Tischbomben früher waren grösser, besser und schöner. Aber wahrscheinlich war ich einfach kleiner, naiver, leichter zu beeindrucken. Punkt für dich, Tischbombe. Ich könnte dir nie wehtun. Denn ich liebe dich.

4. Die Smombies

Ich weiss, sorry. Smombie ist so 2015. Aber die Smartphone-Zombies ruinieren uns leider auch 2016 Silvester. Und Neujahr 2017. Und sowieso sind das keine einfachen Gesellen. Irgendwie gehören wir aber fast alle dazu.

Vorstellung:
Statt deines Smartphones hast du den flippigsten Schirmchendrink der Welt in der Hand. Mit peruanischem Ingwerschnaps, einem Schuss kongolesischer Kakadumilch und obendrauf ein Fruchtbouquet mit frischer Ananans aus Madagaskar. Instagram, Facebook und Whatsapp sind weit weg. Deine Finger streichen nicht über den Bildschirm, sondern über das Gesicht des wunderschönsten Wesens seit Brigitte Bardot oder Patrick Swayze (Victorias Secret und Bauernkalender von damals).

Der Drink rechts enthält geringe Mengen an Kakadumilch/iStock

Der Drink rechts enthält geringe Mengen an Kakadumilch/iStock

Realität:
Du antwortest deiner Mutter auf die Kleeblatt-Emojis. Du likest das dekadente Silvester-Familienfoto der Kardashians. Du checkst, ob es neue Pokémon zu jagen gibt. Du kaufst dir online einen peruanischen Kakadu und merkst, dass der gar keine Milch gibt. #firstfail2017 – und ab auf Snapchat damit.

5. Die Lüge

Wer denkt, Silvester wird eine prima Sause, der tut mir leid. Wer jedoch mit Vorsätzen ins neue Jahr starten will, der ist ein so richtig armes Schwein. Das wird nicht klappen, Freunde. Da ändert auch der Übertritt in das Chinesische Jahr des Hahns (2017) nichts daran.

Vorstellung:
Am 31. Dezember 38 Päckchen Zigaretten rauchen und am 1. Januar mit der Lunge eines 14-Jährigen Sonntagsschülers aufwachen? Klar doch, kein Ding. Erst wird ausgiebig gejoggt, dann schreibst du dich für den Kurs in angewandter Psychoanalyse auf Suaheli ein, den du so lange schon besuchen wolltest. Die neu gewonnene Energie durchströmt deinen Körper und stellt dich auf eine Stufe mit dem Dalai Lama und Gandhi. It’s-e-meee Maaario!

Realität:

Wieso als nicht zu Hause bleiben und wieder mal einen Klassiker geniessen? Der sieht wenigstens nicht aus, wie einer aus dem Bauernkalender. Frohes N….ach egal.